| VERTIGO Ausgabe 4/96 |
| ORKUS 03/99 |
| Rezension: DIGITAL FACTOR "Over One Million Times" CD (Hypnobeat/SPV) |
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VERTIGO Ausgabe 4/96 Eigentlich muß es schon beinahe als eine Peinlichkeit angesehen werden das wir vom Vertigo es bisher nicht geschafft haben, ein Interview mit der führenden Electro-/EBM-Band aus den neuen Bundesländern zu führen. Doch mit dieser Ausgabe geloben wir Besserung. Bereitsmit ihrer Debut-MCD "Falling Down" und der nachfolgenden CD "Relationships" landete diese Band aus Altenburg nahe bei Leipzig mehr als nur einen Achtungserfolg. Im Osten haben sie sich durch viele gelungene Konzerte bereits einen Kultstatus erspielt. Das Trio, bestehend aus Mike Langer, Tino Schmidt und Torsten Heise, veröffentlichte jetzt die neue CD "On Demand", ein Electroalbum, daß durch eine bessere Soundauswahl und komplexere Strukturen besticht. Mit diesem sehr gelungenen Album sollte man sich größere Beachtung, auch hier im Westen erspielen können. Hilfsreich ist dabei auch die Tatsache, daß DIGITAL FACTOR im Herbst auf Tour mit EVILS TOY gehen werden. Auf dieses Ereignis sind wir sehr gespannt. Das nachfolgende Interview mit Mike Langer wird auf alle offenen Fragen eingehen... Das ihr drei aus dem Osten nahe bei Leipzig stammt, ist bekannt. Etwas seltsam fand ich die Aussage in einem Interview, daß ihr euch aufgrund einer Anzeige gefunden habt. Bitte erzählt uns wessen Idee das war und wie das Verhältnis der einzelnen Bandmitglieder untereinander ist. Besteht die Gefahr, daß die Band zu einer reinen Zweckgemeinschaft verkommen könnte? An der Geschichte mit der Anzeige ist eigentlich nichts mystisches. Ursprünglich gab es zwei Projekte. Tino und Torsten bastelten an ihrem, ich an meinem Projekt. Kennengelernt haben wir uns dann über eine Anzeige, welche ich in einem Musikgeschäft ausgehängt hatte. Das Verhältnis der einzelnen Bandmitglieder ist so, daß wir eher peinlich berührt sind, wenn wir uns auf der Straße begegnen, einer dem anderen die Freundin ausspannt und wir uns ausschließlich über Anwälte verständigen... nein, das ist natürlich Quatsch. Jeder von uns hat sein eigenes kleines Studio, in dem bestimmte Tracks oder gesamte Songs vorproduziert werden. Ihre endgültige Form erhalten diese wenn wir dann gemeinsam im Studio arbeiten. Die Band ist dabei nicht nur eine Zweckgemeinschaft. Das zeigt sich spätestens dann, wenn wir auf Tour sind, denn dann ist die Band für diesen Zeitraum die Familie, mit der man beim Frühstück, zum Mittag oder im Tourbus permanent beisammen ist. Mich würde interessieren, wie es um die EBM/Electro-Szene zu Zeiten der alten DDR bestellt war. Wart ihr schon damals Anhänger dieser Musikrichtung und war die Bandgründung 1993 eine logische Entwicklung? Von einer Szene, wie sie heute besteht, kann man eigentlich nicht reden. Allerdings hat die Radiosendung "Electronics" des legendären Senders DT 64 einiges dazu beigetragen, daß es jetzt eine ziemlich große Szene hier gibt. Zum Standardprogramm der Sendung gehörten hier neben DEPECHE MODE auch DAF, FRONT 242, THE NORMAL und und und. Ansonsten war es natürlich nicht so einfach wie jetzt, eine eigene Band zu gründen. Jede Band brauchte in der DDR die sogenannte Einstufung, eine Art staatliche "Freigabe" um live auftreten zu dürfen. Erst in den letzten Jahren war es überhaupt möglich, eine Einstufung ohne musikalische Ausbildung (z.B. als Autodidakt) zu erhalten. Und dann war da noch das Problem der Technik, denn die war ungemein teuer. Eure erste MCD "Falling Down" erschien damals auf Hard Records, eure erste Full-Length "Relationships" als Zusammenarbeit zwischen Hard Records und Hypnobeat. Welches der zwei Labels ist denn jetzt eurer Vertragspartner und somit erster Ansprechpartner? Welche Vor- und Nachteile haben die guten Beziehungen zwischen Hypnobeat und Hard Records und somit auch zu Cleopatra nach Amerika für euch als Band? Damit sprichst du die komplizierten Labelstrukturen an. Unser Vertragspartner ist in erster Linie Hard Records. Allerdings liefen die kompletten Absprachen für die "Relationships" und die "On Demand" über den Lizenzpartner Hypnobeat, was für uns eigentlich recht günstig war, denn im Gegensatz zu Kopenhagen ist Nürnberg nur ca. 2 Stunden von uns entfernt. Mit Cleopatra hatten wir allerdings bis dato noch keinerlei Kontakt, auch erscheinen unsere CD`s in den USA nicht über dieses Label. Zu eurer neuen CD: Ich bin ein wenig überrascht über eure soundtechnische Erweiterung. Viele neue Sounds, teilweise aus dem Teknobereich haben den Zugang in eure Musik gefunden. Hängt das mit einer Aufstockung des Equipments zusammen oder versucht ihr, auf einen derzeitig aktuellen Trend aufzupringen? Naja, das hat eigentlich nichts mit dem vielzitierten Aufsprung auf abgefahrene Züge zu tun. Das Material der "Relationships" ist die Entwicklung von DIGITAL FACTOR seit unserer Gründung, also ein Sammelsorium aus damals altem und neuem Material. Das lag auch an den Fans. Da unser erstes Tape "Suiciety" ausverkauft war, haben wir einige Songs auch auf unsere ersten LP übernommen. Dadurch sind vom heutigen Standpunkt einige schon fast 4 Jahre alt. Im Gegensatz dazu ist das Material der "On Demand" erst im letzten Jahr entstanden, und man entwickelt sich ja weiter. Zwischen der Gründung der Band und unserem Plattenvertrag liegen nicht einmal ein Jahr, und wir haben hart arbeiten müssen, um einen professionellen Standart zu erreichen. Diese Entwicklung hört man unserer Meinung nach auch den einzelnen CD`s an, und das ist auch gut so. Thematisch erscheint ihr euch auf neue Technologien wie beispielsweise dem Internet festgelegt zu haben. Bitte beschreibt euer Konzept und eure Hintergedanken auf "On Demand". Darf man diese CD als eine Konzeptscheibe ansehen? "On Demand" war ein Thema, auf welches wir ein Jahr lang hingearbeitet haben. Demzufolge ist die CD schon ein Konzeptalbum. Neben der Band sind wir eng mit neuen Technologien beschäftigt. Torsten arbeitet derzeitig z. B. an Softwareprojekten für amerikanische Hardwarehersteller aus dem Bereich Musikelektronik mit, ich bin in den Aufbau eines Fernsehsenders integriert. Da ist es unumgänglich, daß man mit diesen Technologien in positiver und negativer Weise konfrontiert wird. Allein das Internet hält massenhaft Problematiken und damit Themen wie z. B. Kommunikation in Isolation bereit. In Verbindung mit elektronischer Musik ist das eine für uns geniale Verarbeitung dieser Themen. Eigentlich hielt ich euch eher für eine Fun-Band, die EBM produziert, weil sie Spaß an der Sache hat. Auf "Evilsation" werden jedoch auch sehr solzialkritische Töne angeschlagen. Gehört das ebenfalls einer Erneuerung, zu einem neuen Bewußtsein der Umwelt? Eigentlich ist egal, welchen Themen man sich widmet, Spaß sollte die Musik schon machen. Allerdings sehen wir uns nicht als eine Art Fun-Band. Schon auf unserer ersten MCD "Falling Down" haben wir uns mit ausschließlich sozialkritischen Themen beschäftigt, wir haben allerdings nicht im Gegensatz zu anderen mit verschachtelter Intellektualität um uns geworfen. Die meisten Bands nehmen sich sozialkritischer Themen an, und sehen sich danach als geniale Weltverbesserer. Wir haben uns immer Themen herausgesucht, die man nachvollziehen kann, und die auch eine gewisse Aktualität besitzen. "X Rayzor" behandelt offensichlich Themen wie absolute Kontrolle oder auch Voyeurismus. Welche Bedeutung hat dieses Stück für euch und sprecht ihr hier aus Erfahrung? Wenn du den Fernseher anschaltest, dann zeigt ein Großteil der Sendungen Bilder aus der Intimsphäre der verschiedensten Leute. Damit wird eigentlich klar wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, daß du mit einem ganz privatem Problem im Fernsehen landen kannst. In Ostdeutschland hatte ein kleiner TV-Sender seinen großen Erfolg damit, daß er eine Kamera installierte, die den ganzen Tag nichts anderes als die Bilder einer Straße übertragen hat, und damit die Neugierde der Bewohner befriedigte, da jeder wußte wer wann wo hingeht. Eine neue Form der totalen Kontrolle. Dabei verwischen dei Grenzen zwischen Täter und Opfer immer mehr, denn derjenige der sich heute noch von den Problemen des Nachbarn unterhalten läßt, kann morgen schon der sein, der mit seinen Problemen das Fernsehprogramm des Nachbarn füllt. Euer Label Hypnobeat hat im Produktinfo eure Musik als "Future Sound of EBM" beschreiben. Was ist denn an eurer Meinung nach so Zukunftsträchtig an eurer Musik? Das ist jetzt ein leidiges Thema. Irgendwie wird uns immer Innovationslosigkeit vorgeworfen. Wir würden auf unseren CD`s nur alten EBM-Kram haben. Das ist schon komisch, denn immerhin werden andere Bands als innovativ bezeichnet auch wenn diese sich auf ihren Bandfotos hinter Sägeblätter vorschauend fotografieren lassen. Andere wieder erklären, daß ihre Sounds von ihnen ganz indivituell hergestellt werden, dabei hört jeder Musiker eine der bekanntesten Sampling-CD`s heraus. Aber immer findet sich jemand, der hierbei das utimativ Neue entdeckt hat, obwohl auch das ein alter Hut ist. Wir haben bislang nie unmittelbar den Anspruch erhoben, absolut innovativ zu sein. Sicher, wir könnten uns auch eine Gitarre umhängen und als Electroband nach PANTERA klingen. Aber ist das innovativ? Denn immerhin macht die Musik PANTERA schon. Hier besteht auch die große Differenz zwischen Publikum und Kritikern, denn das was die Kritiker bei uns als schlecht empfinden, sieht zumindest unser Publikum als positiv an. "Future Sounds of EBM" heißt für uns, daß es in Zukunft weitere DIGITAL FACTOR CD`s geben wird. Ihr habt euch im Osten so etwas wie einen Kultstatus erspielt und eure Gigs sollen sehr gut besucht sein. Hier bei uns im Norden ist es für eine Electroband doch ziemlich schwer, das Publikum für sich zu begeistern. Bitte berichtet uns ein bißchen über eure Konzerte Erfahrungen im Osten. Von Anfang an waren Livegigs sehr wichtig für uns. Im Osten Deutschlands sind die Leute auch sehr euphorisch diesbezüglich, und es macht immer wieder Spaß auf der Bühne zu stehen. Wir haben dabei nie versucht, mit Knallbonbons und Flammenwerfern zu arbeiten. Die Athmosphäre versuchen wir als Personen (teilweise 2 Sänger) zu gestalten. Lediglich Videoeinblendungen unterstützen einige unserer Titel. Im übrigen besteht im Osten ein großes Potential an Veranstaltern, Fans, Clubs, Discos ect. Den Vergleich zu der Scene im Westen können wir allerdings nicht ziehen, da wir erst bei unserer nächsten Tour erstmalig dort spielen erden. Wie sieht es mit euren weiteren Plänen aus? Wird es demnächst einige Konzerte, vielleicht sogar in unserer Nähe geben? Im Oktober werden wir eine gemeinsame Deutschlandtour (ca. 10 Gigs) mit EVILS TOY (Viele Grüße!!!) (Anm. Timebound: Auch von uns!!!) bestreiten. Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren. Parallel dazu wird an neuem Material getüftelt, auch auf diversen Samplern wird in nächster Zeit etwas von uns zu hören sein. Wir sind auf alle Fälle gespannt. Ob DIGITAL FACTOR wirklich die Power besitzen, die eingefhrenen Gestalten auf den hiesigen Konzerten in Wallung zu bringen, bleibt abzuwarten. Wir hoffen jedenfalls das Beste, daß dieser vielversprechende Herbst-Doppelwhopper bestehend aus EVILS TOY und DIGITAL FACTOR einschlagen wird. Eine kleine Anekdote am Rande dieses Interviews: ganze vier Tage war dieses IPP (Interview per Post) unterwegs und schon lagen mir die Antworten der Band vor. Das dürfte als ewiglicher Rekord in der Geschichte unseres Magazins eingehen! Vielen Dank für die unglaublich schnelle Bearbeitung, wir sehen uns hoffentlich auf eurer Tour. Zurück zur Auswahl Die aus Altenburg stammende Formation Digital Factor meldet sich nach einer kurzen Schaffenspause mit dem aktuellen Album ?Over One Million Times" zurück. Das Trio -bestehend aus Mike Langer, Tino Schmidt und Torsten Heise- präsentiert sich auf ihrem aktuellen Album sehr modern und technoid. Über die Enstehung berichtet mir Mike folgendes: ?´Over One Million Times´ ist das Album, dessen Produktion bisher am längsten gedauert hat. Es ist komplett in unseren eigenen Studios ohne fremden Produzenten entstanden. Das interessante ist sicherlich die Arbeitsweise. Grundlegendes Songmaterial wurde in unserem Studio in Dresden oder in in Altenburg vorproduziert. Wenn dann die Idee ausgegangen ist, wurde die halbfertige Produktion nach Dresden oder Altenburg geschickt und dort fertigkomponiert und -produziert. An dem Album haben wir circa ein halbes Jahr gearbeitet. Neu ist auch, daß wir sehr viele analoge Synthesizer eingesetzt haben. Nach unserem letzten Album "Countercheck" und der entsprechenden Tour haben wir alle drei Urlaub von Digital Factor genommen. Torsten hat sich intensiv um Programmierprojekte für Musiker-Software gekümmert. Ich habe an diversen Video- und Fernsehproduktionen gearbeitet....habe eine Fernsehproduktion und zum Beispiel im letzten Jahr den Videoclip zu Evils Toy´s ´Coexistance´ produziert. Man könnte sagen, wir haben uns in dieser Zeit musikalisch treiben lassen. Musik war für uns eher etwas, was man sich anhört; weniger etwas, was man selbst macht. Aus diesem Abstand zu uns selbst ist auch eine Art musikalisches Weiterdenken bei Digital Factor entstanden. Ich glaube, der Abstand, den wir seit 1993 erstmals von Digital Factor hatten, hat uns enorm gut getan." Diesen frischen Wind spürt man sehr deutlich. Neben den altbekannten Electro-EBM-Klängen, findet man auch durchaus moderne Sounds: ?Wir beschreiben unsere Musik mit Progressive Dance. Ich finde irgendwie paßt dies. Man könnte natürlich auch sagen: Electrobigbassdrum'ndancerock'nrollebmbeats, aber das würde uns zu sehr in diese Schublade stecken, und wir würden uns eingeengt fühlen. Es hat uns lange in den Fingern gejuckt, das musikalische Konzept von Digital Factor zu erweitern. Mit unserer Metallbox ´De Facto´ haben wir diesen Stil schon 1997 angetestet, und es ist großartig angekommen -nicht nur bei den DJ´s oder den Kritikern- auch die eingefleischten Fans fanden unsere Mischung ziemlich gut...Die Jahre vorher waren dadurch bestimmt, daß wir jedes Jahr eine CD veröffentlicht haben und dann eine Tour zur CD vollbracht haben. Letztes Jahr waren wir dann alle drei soweit, Digital Factor von einer etwas breiteren musikalischen Seite zu betrachten. Neben Dance und Techno spielt für uns der Begriff ´Progressive´ eine wichtige Rolle, denn die gewohnte Härte von Digital Factor...haben wir auf alle Fälle beibehalten." Und mit dieser musikalischen Stil-Erweiterung wird man wahrscheinlich auch mehr Leute erreichen: ?Das ist für uns ein neuer Aspekt. ´Over One Million Times´ ist das erste Album, welches ein bedeutend breiteres Publikum ansprechen kann. Während unsere alten Fans auf alle Fälle angesprochen werden, könnten sicher auch Leute, die eher Techno, Drum'n Bass oder Big Beats hören, etwas mit ´Over One Million Times´ anfangen." Vielleicht geht dann auch der Wusch der Formation endlich in Erfüllung, den sie im Albumtitel ausdrücken: ? Wir wollten schon immer einmal sagen können: Wir haben unsere CD ´über eine Million mal´ verkauft. Das ist übrigens kein Scherz, sondern der Titel ist wirklich so entstanden." Die Message der Band ist sehr eindeutig und wird auch ohne Umschweife verfolgt: ?Der Weg ist das Ziel. Die Band Digital Factor ist das Ziel. Was uns früher immer vorschwebte, als Band zusammenzuarbeiten, zu touren, ist genau das, was wir immer machen wollten -aber in der DDR nicht in diesem Maße konnten." Erhebliche Änderungen seit dem Mauerfall sind für Mike auch innerhalb des Musikbereiches erkennbar: ?Für uns hat die Wende die Möglichkeit geboten, überhaupt erst einmal Musik zu machen. Vor 1989 waren Instrumente in der DDR eigentlich fast unbezahlbar. Außerdem benötigte man die sogenannte ´Einstufung´, eine Art staatliche Freigabe, um als Band auftreten zu dürfen. Von eine vergleichbaren Labellandschaft konnte man überhaupt nicht sprechen. Die Wende hat dahingehend schon einige Türen geöffnet, dies merkt man ja auch an der aktuellen Bandlandschaft, die es im Osten gibt. Erinnert sei...an Bands wie Rammstein, Scycs und natürlich Digital Factor." Experimentierfreudigkeit steht für die Band absolut im Vordergrund: ? ´Over One Million Times´ ist die Vollendung EINES unserer musikalischen Experimente...Ein weiteres musikalisches Experiment waren Musiktrailer für eine TV-Sendung, die ich im letzten Jahr produziert habe. Auch ein Experiment waren Musiktrailer für eine Radiosendung, die Torsten produziert hat. Ich glaube für musikalische Experimente sind wir jederzeit offen. Auch die Arbeit mit Lights Of Euphoria, mit einer Gastsängerin auf ´Over One Million Times´ oder die Produktion der Coverversion eines Nirvana-Songs, zeigt unsere Begeisterungsfähigkeit für musikalische Experimente -interessant ist es schon, wenn man mit elektronischen Sounds einen reinen Gitarrensong neu interpretiert." Die Herumtüftelei mit elektronischem Sound, erklärt sich Mike so: ?Die Faszination von elektronischer Musik beziehungsweise Instrumenten wie Samplern oder Synthesizern entsteht aus der Vielzahl der Sounds und deren Modulationsmöglichkeiten. Oft wird dies richtig zum Problem. Eine CD zu produzieren, unterliegt einem gewissen Zeitplan, und man hat das Problem, daß man plötzlich nach mehreren Wochen feststellt, daß man immer noch an ein und demselben Song arbeitet." Inspiration für ihre Musik nehmen sich Digital Factor aus dem nahen Umfeld: ?Sicher gibt es einen elementaren Künstler, der uns beeinflußt hat. Der heißt ´Umwelt´. Unsere Umwelt beeinflußt uns am meisten beim Musikmachen. Die Umwelt bedeutet genauer: Tour, Fans, Disko, Fernsehen, Job, Freundin, Essen, Schlafen, Krankheit, Gesundheit .... Dies alles beeinflußt uns auf alle Fälle, und wird durch unsere Musik reflektiert." Eine Besonderheit auf dem aktuellen Album des drei Altenburger sind die vier vorhandenen Instrumental-Stücke. Dazu kam es folgendermaßen: ?Die instrumentalen Songs sind Stücke, deren Atmosphäre durch Gesang sicher zerstört worden wäre, so daß wir uns entschieden haben, den Gesang hier wegzulassen." Diese Tracks kann man auch ganz leicht auf dem Lonplayer finden, da deren Titel immer mit einem ?The" beginnen -eine Art Spielerei, die sich die Band ausgedacht hat: ?Jeder, der keine Instrumentalstücke mag, kann diese dann von den anderen unterscheiden und aussondern." Ein reines Instrumental-Album ist allerdings nicht im Gespräch, da Live-Auftritte für die Band sehr wichtig sind. Und so ist auch demnächst eine Tour durch Deutschland und die Schweiz geplant, bei der die beiden Sänger Mike und Torsten dem Publikum wieder mächtig einheizen werden. Die Frage, ob man denn auch einmal in Amerika oder auf den anderen Kontinenten touren will, beantwortet mir Mike: ?Sicher ist es reizvoll, auf anderen Koninenten zu touren. Allerdings ist dies für eine Band und für einen Veranstalter immer etwas aufwendig. Amerika ist für uns auch daher interessant, da wir dort mit unserem letzten Album ...bis jetzt in verschiedenen Clubcharts vordere Plätze halten." Die Band an sich ist immer offen, für weitere Tätigkeitsbereiche, so könnte man sich auch durchaus vorstellen, eine Filmmusik zu komponieren: ? Auf alle Fälle, aber leider wurden wir diesbezüglich (noch) nicht befragt. Auch ein Soundtrack für ein Computerspiel wäre nicht schlecht. Aber prinzipiell ist etwas ähnliches in Vorbereitung -mehr wird noch nicht verraten." Verraten kann man allerdings, daß an einem aktuellen Videoclip gebastelt wird: ? Ausgehend davon, daß sich die Medienlandschaft und speziell die Fersehlandschaft für unsere Musik zunehmend öffnet, werden wir in den nächsten Wochen eine Videoclip zu ´Decisions´ drehen. Mittlerweile sind die Einsatzbereiche eines Videoclips für eine Band wie uns schon in größerem Maße vorhanden. Erinnert sei hier neben VIVA 2 auch an Videosampler und ähnliches. Zur Zeit ist der Clip gerade in der inhaltlichen Planung....In dem Videoclip werden wir auf alle Fälle zu sehen sein. Es gibt da auch ein großes Archiv an alten Filmaufnahmen, die wir uns ...vorstellen könnten. Aber zur Zeit gibt es eben nur eine grobe Idee, die bei der Produktionsfirma entwickelt wird." Man kann sich also sicher sein, daß Digital Factor noch viele Dinge in Angriff nehmen werden: ?Die Ideen werden uns, glaube ich, nicht ausgehen. Man geht ja mit offenen Augen und Ohren durch die Umwelt, und es gibt so vieles, was man musikalisch oder optisch umsetzen kann und möchte. Digital Factor wird solange existieren, wie wir glauben, daß dieses Projekt eine Zukunft hat. Zur Zeit entwickelt sich dahingehend für uns viel Arbeit und viele Ideen, so schnell wird uns die Puste nicht ausgehen." Daniela Schuster Zurück zur Auswahl Mike Langer, Tino Schmidt und Torsten Heise meldem sich mit ihrem aktuellen Album namens "Over One Million Times" zurück. Die aus Altenburg stammende Electro-Band hat sich nach ihrer letzten Veröffentlichung "Countercheck" erst einmal eine kleine Verschnaufpause gegönnt. Während dieser kreativen Schaffenspause ließ man der Experimentierfreudigkeit freien Lauf und wagte dieses Mal einen erheblichen musikalischen Entwicklungssprung. So findet man auf der vorliegenden Scheibe nicht nur den altbekannten Elektro/EBM-Stil ("Body Beats") der Band, sondern auch neue und moderne Einflüße wie zum Beispiel Dance ("Decisions"), Breakbeat ("Normalizer") oder Big Beat ("The Mission"). Für die Band stellt diese Mixtur eine Art Progressive Dance dar. Eine weitere Besonderheit auf "Over One Million Times" sind eindeutig auch die vier Instrumental-Stücke, die einen regelrecht einladen, seiner Phantasie freien Lauf zu lassen, um sich irgendwelche Filmsequenzen auszumalen. Erkennbar sind diese Stücke daran, daß deren Titel alle mit einem "The" beginnen -eine Spielerei, um den Hörer sicher durch das Album zu leiten. Die neue Scheibe von Digital Factor ist für mich ein erfreuliches und abwechslungsreiches Album, das neben tanzbaren Stücken auch Songs enthält, die die Hörer zum Hinhören einlädt. Für eingefleischte Fans der Band und solche, die es werden wollen. Zurück zur Auswahl |